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unilogo Universität Stuttgart
Institut für Wasser- und Umweltsystemmodellierung - IWS

Abstract

 
   

"Die Liberalisierung des Strommarktes und die Liquidität von Strombörsen in Europa"

Ausgehend vom Inkrafttreten der EU-Elektrizitätsrichtlinie 96/92/EG im Jahr 1997, die immense Auswirkungen auf die Stromversorgung in Europa hatte, und der beginnenden Umsetzung in allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, hat eine Liberalisierung des Strommarktes in Europa begonnen. Dabei haben die Gesetzgeber in Europa unterschiedliche Wege zur Liberalisierung eines Marktes beschritten, der lange Zeit durch monopolartige Strukturen geprägt war.
In Deutschland schafft das neue Energiewirtschaftsgesetz die Grundlage für einen Markt, dessen Ziele sein sollen, zum einen die Versorgungssicherheit zu gewährleisten und zum anderen den Wettbewerb auf dem Strommarkt zu fördern.
Die Errichtung eines funktionierenden Marktes benötigt Einrichtungen, die den Verbrauchern, Stromerzeugern und Netzbetreibern gleichermaßen den Zugang zum Markt ermöglichen. Aus dieser Notwendigkeit heraus sind in Europa mehrere Energiebörsen entstanden oder im Enstehen. Seither haben in Europa rund ein Dutzend Energiebörsen ihre Handelstätigkeit am Strommarkt aufgenommen. Vorreiter war die skandinavische Energiebörse Nord Pool in Oslo, die von Norwegen beginnend im Jahr 1993 sukzessive den skandinavischen Markt erschlossen hat. Ihr folgten Energiebörsen im Vereinigten Königreich, Spanien, Deutschland, Frankreich und Österreich. Auch in Osteuropa ist eine Öffnung der Strommärkte zu verzeichnen. Energiebörsen wurden beispielsweise in Slowenien und Polen eingerichtet. Das Kerngeschäft der Energiebörsen ist der Spothandel, an dem materielle Geschäfte getätigt werden, also Strom als Ware gehandelt wird. Der Handel erfolgt hier unter den Grundsätzen der Transparenz, Anonymität un! d Liquidität. Dabei ist festzustellen, dass die Liquidität eines Marktes ausschlaggebend für die Attraktivität der Energiebörse ist. Deshalb ist es das Bestreben aller untersuchten Energiebörsen ihre Liquidität zu steigern. Dies geschieht hauptsächlich durch ein möglichst breites Spektrum der Handelsteilnehmer. Die untersuchten Energiebörsen sind ständig bemüht neue Teilnehmer zu akquirieren. Erwähnenswert ist auch die Entwicklung des Handelsvolumens an den einzelnen Energiebörsen. Energiebörsen, die schon länger am Markt tätig sind, haben keine so großen Zuwächse ihres Handelsvolumens zu verzeichnen. Energiebörsen dagegen, die erst kurz im Markt sind, verzeichnen große Zuwächse ihres Handelsvolumens am Spotmarkt. Der Vergleich mit dem Gesamtstromverbrauch der jeweiligen Strommärkte zeigt deutlich, dass Nord Pool in Oslo die liquideste Energiebörse Europas ist, gefolgt von der Amsterdam Power Exchange und der European Energy Exchange, Leipzig.
Energiebörsen sollen im liberalisierten Markt ein neutrales, faires und transparentes Handelsforum sein, nach dem Vorbild der Börsen am Geldmarkt. Ihre Aufgabe ist es, ein verlässliches und allgemein anerkanntes Preissignal für den Markt zu liefern. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Energiebörsen eine gewisse Breite des Marktes abbilden. Die Liquidität einer Börse ist bestimmend für deren Attraktivität und die Verlässlichkeit der dort erzielten Preise. Eine hohe Liquidität sichert den Markt vor zu großen Schwankungen durch einzelne Gebote ab. Um die Liquidität der untersuchten Energiebörse vergleichen zu können, ist es nötig eine Bezugsgröße zu finden. Preise und Handelsmengen der Energiebörsen können für einen derartigen Vergleich als Bezugsgrößen herangezogen werden.
Die Preisverläufe an den untersuchten Energiebörsen sind Spiegelbild der äußeren Einflußfaktoren auf den Strommarkt. Das Jahr 2003, mit seinen extremen Wetterlagen, machte dies sehr deutlich. Eine Angebotsverknappung an den Energiebörsen bewirkte steigende Preise im Vergleich zu 2002. Gleichzeitig hat die Volatilität der Preise zugenommen. Der Spotmarkt von Powernext wies 2003 eine besonders extreme Preisspanne auf. Kurzfristig wurde dort ein Spitzenpreis von 300 €/MWh erreicht. Der Handelsverlauf der anderen untersuchten Energiebörsen zeichnete ein ähnliches Bild.
Nachdem der Spotmarkt an den etablierten Energiebörsen erfolgreich eingeführt ist und die Umsätze sich zu stabilisieren beginnen, versuchen die Energiebörsen neue Geschäftsfelder zu belegen. Das Terminmarktgeschäft ist einer der neuen Geschäftszweige. Dieser könnte gerade auch für Betreiber von Anlagen zur Erzeugung von regenerativen Energien interessant werden im Hinblick auf die Absicherung gegen Preisschwankungen am Strommarkt, wenn die Förderung durch das EEG nicht mehr vorhanden ist.
Der Stromsektor verbraucht einen erheblichen Teil fossiler Ressourcen, was mit einer entsprechenden Freisetzung von CO2 einhergeht. Der beginnende weltweite CO2-Handel, von dem der Stromsektor in weiten Teilen betroffen ist, eröffnet Energiebörsen die Chance, ihren Handelsteilnehmern ein Forum für den Emissionshandel unter ihrem Dach zu bieten. 2005 beginnt der Emissionshandel auf dem Parkett der Energiebörsen.