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unilogo Universität Stuttgart
Institut für Wasser- und Umweltsystemmodellierung - IWS

Abstract

 
   

"Nachhaltigkeit bei der Sanierung. Auswertung von Fallbeispielen zur Validierung des Bewertungsverfahrens und der Bewertungskriterien "

Der Arbeitskreis Innovative Erkundungs-, Sanierungs- und Überwachungsmethoden des Altlastenforums Baden-Württemberg e.V. (AK) hat das Thema "Nachhaltigkeit bei der Sanierung" 2010 aufgegriffen und in zahlreichen Vorträgen, Statuspapieren und Diskussionen in der Fachöffentlichkeit bekannt gemacht. Im Zuge der Diskussionen mit Altlastenbesitzern, Ingenieurbüros, Sanierungsfirmen, Behörden und Vertretern der Umweltwissenschaften wurde eine Definition des Begriffs "Nachhaltigkeit bei der Sanierung" erarbeitet. Diese Definition lautet: "Nachhaltigkeit bei der Sanierung" bezeichnet die Berücksichtigung von Umweltauswirkungen sowie ökonomischer und sozialer Aspekte bei der Sanierungsplanung und bei der Überprüfung und Optimierung laufender Sanierungen. Es beinhaltet die Umsetzung aller Möglichkeiten, um den ökologischen Fußabdruck von Projekten, die wirtschaftlichen Auswirkungen und die Auswirkungen auf Betroffene und spätere Generationen während und nach der Sanierung zu minimieren.
Außerdem wurde ein Satz von Bewertungskriterien und ein halbquantitatives, vergleichendes Bewertungsverfahren in drei Wertigkeiten (gleich…, besser…, schlechter als das Vergleichs- Sanierungsszenario) entwickelt, das eine standort- und schadstoffspezifische Bewertung unterschiedlicher Sanierungsverfahren hinsichtlich deren Nachhaltigkeit ermöglicht. Neben der Bewertung der Nachhaltigkeit verschiedener Sanierungsvarianten im Rahmen der Sanierungsuntersuchung und Planung ist die Methodik auch für die Prüfung von Maßnahmen im Rahmen der Optimierung laufender Sanierungsprojekte einsetzbar.
Das Bewertungsverfahren bietet die Möglichkeit unter den an einem Standort fachtechnisch möglichen Sanierungs- oder Optimierungsvarianten die nachhaltigste Variante auszuwählen. Es kann - und sollte insbesondere bei größeren Sanierungsprojekten - auch als Instrument zur Kommunikation unter den Projektbeteiligten einschließlich der betroffenen Öffentlichkeit dienen. So sollten z.B. im Vorfeld die Wertigkeit und die Gewichtung der Kriterien mit allen Beteiligten möglichst verbindlich und im Konsens abgestimmt werden.
Das Bewertungsverfahren wurde an Hand von Beispielen abgeschlossener und eines laufenden Sanierungsprojekts (in der Phase Sanierungsplanung) auf die Vollständigkeit der Kriterien, die Handhabbarkeit des Verfahrens und die Plausibilität der Ergebnisse getestet. Die ausgewählten Projekte umfassen die häufigsten Boden- und Grundwasserkontaminaten (z.B. Mineralölprodukte, MKW, BTEX, PAK, LCKW, Arsen) sowie die gängigsten Sanierungsverfahren (z.B. Grundwasser-Pump- & Treat, Mikrobiologische Verfahren, ISCO, Aushub und Entsorgung und Großlochbohrungen), so dass die Testbewertungen als repräsentativ für die Sanierungspraxis angesehen werden können.
Durch die halbquantitative Bewertung der einzelnen Kriterien in drei Wertigkeitsstufen kann das Gesamtergebnis ebenfalls die Nachhaltigkeit des bewerteten Sanierungsverfahrens in drei Abstufungen (deutlich nachhaltiger, nachhaltiger, gleich nachhaltig) darstellen.

Die Testbewertungen der Projektbeispiele hat gezeigt, dass
• die Kriterien ausreichend und vollständig sind,
• anhand der Kriterien und bei Kenntnis der Projekte können diese schnell und einfach bewertet werden,
• das Bewertungsverfahren handhabbar und überschaubar ist,
• die dreistufige Bewertung als Kompromiss zwischen Detailierungsgrad, Nachvollziehbarkeit und einfacher Durchführbarkeit ausreichend genau ist,
• die Ergebnisse eine ausreichend starke Differenzierung erlauben und
• die Ergebnisse durch die Dokumentation der Bewertung nachvollziehbar sind.

Der Vortrag gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Diskussion und der Umsetzung in die Sanierungspraxis und zeigt die Anwendung der Bewertungsmethode konkret an Hand von Fallbeispielen auf. Die Bewertung der Nachhaltigkeit der Sanierungsverfahren
• bautechnische Sicherung durch Einkapselung und Oberflächenversiegelung,
• hydraulische Sicherung durch Pump & Treat,
• Komplettaushub mit Wiederverfüllung und Renaturierung und
• Teilaushub in Verbindung mit einer hydraulischen Sicherung wird an einem Projektbeispiel einer Boden- und Grundwasserverunreinigung mit KW, BTEX und PAK erläutert.

Mit einem zweiten Beispielprojekt einer CKW-Verunreinigung im Grundwasser an einem innerstädtischen Standort wird die Bewertung der Nachhaltigkeit der Sanierungsvarianten
• Pump & Treat,
• ISCO (in-situ chemische Oxidation)
• mikrobiologische Sanierung durch Zugabe von Melasse demonstriert.

Die Ergebnisse der Testbewertungen aller betrachteten Projekte werden vergleichend gegenüberstellt und daraus Schlussfolgerungen für die weiteren Schritte in Richtung einer Implementierung des Themas Nachhaltigkeit in die Sanierungspraxis gezogen.