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unilogo Universität Stuttgart
Institut für Wasser- und Umweltsystemmodellierung - IWS

Abstract

 
   

"Grundwasserabstromerkundung - Immissionspumpversuche verbessern Quantifizierung und Beurteilung einer Grundwassergefährdung"

Die fundierte Beurteilung einer Grundwassergefährdung im Abstrom eines potentiellen oder bekannten Schadensherdes ist eine der zentralen Aufgaben im Rahmen der Altlastenbearbeitung. Oft erfolgt dies entweder indirekt über die Bestimmung von Schadstoffgehalten aus Bodenproben bzw. Eluaten im Schadensherd oder direkt über Grundwasseranalysen aus Messstellen im Grundwasserabstrom. Beide Methoden können jedoch nicht unerhebliche Unsicherheiten aufweisen. Gründe sind einerseits die Heterogenität des Untergrunds und die unbekannte Schadstoffverteilung im Schadensherd, einhergehend mit Fragen der Repräsentativität der Boden- oder Grundwasserproben. Andererseits besteht das Problem aus den Feststoffgehalten stoffspezifisch und zuverlässig mögliche Sickerwasser- oder Grundwasserkonzentrationen umzurechnen bzw. Eluatkonzentrationen mit den Boden- und Grundwasserkonzentrationen zu korrelieren. Boden- oder Grundwasserproben stellen Punktinformationen dar, die als repräsentative Werte, d.h. als ermittelten Schadstoffkonzentrationen, auf ein größeres Volumen mit Hilfe plausibler Annahmen „übertragen“ (regionalisiert) werden müssen, um daraus eine Gesamtbelastung im Abstrom und somit eine eventuelle Gefährdung an einem Standort abzuleiten.

Im Gegensatz dazu ermöglicht das Verfahren des Immissionspumpversuches (IPV) zur Grundwasserabstromerkundung eine räumlich integrierende Bestimmung des Schadstoffmassenflusses im Abstrom eines vorhandenen oder potentiellen Schadensherdes. Mit diesem Verfahren wird unter Verwendung von Schadstoff-Konzentrationsganglinien aus Pumpversuchen eine bessere Qualifizierung und Quantifizierung einer Grundwassergefährdung ermöglicht.
Die Grundidee zu dem integralen Erkundungsverfahren fand sich in Baden-Württemberg bereits 1993 im Frachtkonzept in den Hinweisen zur Verwaltungsvorschrift über Orientierungswerte für die Bearbeitung von Altlasten und Schadensfällen, wurde konsequent entwickelt und im Leitfaden zur Untersuchungsstrategie Grundwasser der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW, 2008) konkretisiert. Dabei wurde ähnlich wie in der Bundesbodenschutz- und Altlastenverordnung (BUNDESREGIERUNG, 1999) der Gedanke des Massenflusses an Kontrollebenen als zusätzliches Kriterium neben der reinen Konzentrationsbetrachtung eingeführt.

Immissionspumpversuche stellen somit eine wichtige Erkundungsmethode als Baustein flächenintegraler Konzepte dar, auf dessen Basis anhand analytischer und numerischer Auswertemethoden zeitlich und räumlich integrierend Konzentrationsverteilungen und Schadstofffrachten ermittelt werden können.
Der Arbeitskreis Innovative Erkundungs-, Sanierungs- und Überwachungsmethoden im Altlastenforum Baden-Württemberg hat in einem Statusbericht (af Heft 16, Ptak, T. et al, 2013) den Kenntnis- und Entwicklungsstand der Grundwasserabstromerkundung mittels Immissionspumpversuchen zusammengefasst und den Stand der Technik, die Planung, Implementierung und Anwendungsstrategien dargestellt. Anhand ausgeführter Beispiele aus der Altlastensanierungspraxis werden die Möglichkeiten aufgezeigt.