Die 6. Konferenz für Forschungssoftwareentwicklung in Deutschland, deRSE26, ist an der Universität Stuttgart erfolgreich zu Ende gegangen. Die dreitägige Konferenz brachte mehr als 280 Teilnehmer aus Universitäten und Forschungseinrichtungen aus ganz Deutschland und darüber hinaus zusammen. Im Vorfeld fand der erste Stuttgarter Forschungssoftwaretag statt.
Die deRSE26 fand vom 3. bis 5. März 2026 auf dem Vaihinger Campus der Universität Stuttgart statt. Die Veranstaltung diente als nationales Forum für Personen, die Forschungssoftware in allen wissenschaftlichen Disziplinen entwickeln, warten und nutzen.
Das Programm umfasste rund 90 Poster sowie 100 Vorträge, Workshops und interaktive Sitzungen in bis zu fünf parallelen Programmsträngen. Die Beiträge deckten Themen wie Research Software Craftsmanship, neue Computertechnologien und Infrastruktur, Open Science und Zusammenarbeit, Datenanalyse und KI, Community, Politik und Karriereentwicklung sowie interdisziplinäre Fortschritte ab.
Die Referenten und Teilnehmer deckten ein breites Spektrum an Fachgebieten ab, darunter Ingenieurwissenschaften, Natur- und Lebenswissenschaften, Geisteswissenschaften sowie Sozialwissenschaften. Im Mittelpunkt der Konferenz standen Offenheit, Gemeinschaftsbildung und Zusammenarbeit über Fachgrenzen, Institutionen, Geschlechter und Karrierestufen hinweg.
Zu den Höhepunkten des Konferenzprogramms gehörten zwei Plenarvorträge und eine Podiumsdiskussion. In seinem Plenarvortrag ging Wolfgang Bangerth von der Colorado State University auf die Herausforderungen beim Aufbau zuverlässiger, skalierbarer Simulationssoftware in komplexen Anwendungsbereichen ein. Er hob hervor, wie systematisches Software-Engineering, langfristige Community-Entwicklung und offene Zusammenarbeit es ermöglichen, dass fortschrittliche numerische Methoden in der Praxis eingesetzt werden und Vertrauen genießen. Der Vortrag veranschaulichte, wie sich Forschungssoftware über Jahrzehnte hinweg weiterentwickeln kann, während sie gleichzeitig wartbar und überprüfbar bleibt.
Morane Gruenpeters Plenarvortrag konzentrierte sich auf die Nachhaltigkeit und Governance von Forschungssoftware im breiteren Open-Science-Ökosystem. Sie erörterte, wie Praktiken wie klare Lizenzierung, persistente Identifikatoren und strukturierte Metadaten dazu beitragen, Software auffindbar, zugänglich, interoperabel und wiederverwendbar zu machen. In ihrem Vortrag betonte sie, dass robuste politische Rahmenbedingungen und Community-Standards unerlässlich sind, um die langfristige Aufbewahrung und Anerkennung von Forschungssoftware-Ergebnissen zu gewährleisten.
Im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion stand die künftige Gestaltung des Forschungssoftware-Ökosystems in Deutschland. Die Podiumsrunde brachte Perspektiven aus Forschung, Infrastruktur und Politik zusammen, um über die Anerkennung, Finanzierungsmodelle und Karrierewege für Forschungssoftwareentwickler zu diskutieren. Die Diskussion befasste sich damit, wie Institutionen und Förderorganisationen Software besser als primäres Forschungsergebnis anerkennen können, und löste während der gesamten Konferenz intensive Folgegespräche unter den Teilnehmern aus.
„Die hohe Teilnehmerzahl bei der deRSE26 zeigt, dass Forschungssoftware-Engineering fest als Kernkomponente der modernen Wissenschaft etabliert ist“, sagt Bernd Flemisch, Vorsitzender der Konferenz. „Wir beobachten eine wachsende Anerkennung für die Menschen, Praktiken und Infrastrukturen, die zuverlässige, wiederverwendbare wissenschaftliche Software ermöglichen.“
Die Organisatoren kündigten zudem Pläne zur Veröffentlichung der Tagungsberichte an. Die Autoren sind eingeladen, erweiterte Fassungen ihrer Beiträge nach einem Peer-Review-Verfahren für einen speziellen Open-Access-Band in der Zeitschrift ECEASST einzureichen.
deRSE26 setzte die Reihe der deutschen Konferenzen zum Thema Forschungssoftwareentwicklung fort, die vom gemeindebasierten Verein de-RSE ins Leben gerufen wurde. Die Veranstaltung unterstrich die Bedeutung der nationalen und internationalen Vernetzung für die Förderung der beruflichen Anerkennung, der Karrierewege und der Ausbildungsmöglichkeiten für Forschungssoftwareentwickler.
Das Organisationskomitee dankt allen Mitwirkenden, Freiwilligen und lokalen Helfern, deren Einsatz die Konferenz ermöglicht und zu einem Erfolg gemacht hat. Die finanzielle Unterstützung durch das NFDI-Konsortium NFDI4ING, die Exzellenzcluster SimTech, IntCDC und ctd.qmat sowie die Sonderforschungsbereiche ATLAS und SFB 1313 wird dankbar gewürdigt.
Die Planungen für die nächste Ausgabe der Konferenz für Forschungssoftwareentwicklung in Deutschland laufen bereits; Details werden auf der de-RSE-Website bekannt gegeben. Diese Konferenzen werden größtenteils von der Community organisiert, und alle Beiträge sind herzlich willkommen!
Autoren: Bernd Flemisch, Inga Ulusoy license: CC-0
Bernd Flemisch
apl. Prof. Dr. rer. nat.Professor für Simulationstechnik